Turnierbericht
Das Finale der WM 2002 wurde am 19.10.02 auf einer Sonderfläche der SPIEL2002 in Essen ausgetragen. An der WM nahmen Spieler aus insgesamt 18 Ländern teil. Dies waren neben Deutschland: Japan, U.S.A., Canada, England, Schottland, Spanien, Frankreich, Niederlande, Belgien, Italien, Österreich, Schweiz, Slowenien, Rumänien, Tschechien, Polen und Irland.
Aus England und Schottland nahmen jeweils nur ein Spieler teil. Ebenso aus Österreich, wobei hier leider Emanuel Burtscher, bei uns im Spielezentrum neben den deutschen Teilnehmern als großer Favorit gehandelt, nicht teilnehmen konnte. Dafür rückte 
Jacques Kieft aus Irland nach, so kam die Weltmeisterschaft recht unverhofft sogar noch zum 18. Teilnehmerland.

Schon die Turnierfläche, auf der zeitgleich die deutsche Meisterschaft im Catan-Kartenspiel stattfand, war sehr imposant, so waren alle Nationen mit ihren Nationalflaggen vertreten. Zum Gefühl auf einer Weltmeisterschaft zu sein trug auch bei, dass diesmal das Presseinteresse recht hoch war. Insbesondere war die japanische Presse auffällig, die alle Spiele mitprotokollierte und viele Interviews mit den Teilnehmern führte.

Nach einer kurzen Erläuterung der Unterschiede der englischen Version von Siedler von Catan, mit der das Turnier gespielt wurde, konnte das Turnier starten. Es gab nur wenige Verständigungsschwierigkeiten während des Spiels und das Gewirr der zu hörenden Sprachen (Deutsch, Englisch, Japanisch, Niederländisch, Polnisch und Französisch) trug zur guten Stimmung bei.

Nach den ersten drei Runden setzen sich wie erwartet zwei deutsche Spieler durch, doch schon hier wurde klar, dass doch mehr Spieler als erwartet mit den turniererfahrenen deutschen Meistern von 2001 mithalten konnten. Besonders beeindruckt haben mich Hans Baert aus den Niederlanden, dessen erster Platz nach dem ersten Tag von seinen mitgebrachten "Fans" lautstark bejubelt wurde sowie Armin Rauch aus Italien, der genau wie Hans Baert alle Spiele gewinnen konnte.
Ein eindrucksvolles Comeback lieferte nach einem anfänglichen vierten Platz Eiji Ikeda aus Japan mit zwei Siegen, die zum Einzug ins Halbfinale reichten. Er sollte der einzige Spieler sein, der nicht aus Europa kommt und das Halbfinale erreicht.

Ergebnisse des ersten Tages:
 

Platz Name PP-Summe SP-Summe Quot.-Summe
1 Baert, Hans, Niederlande 15 30 101,02
2 Rauch, Armin, Italien 15 30 93,81
3 Hirschfeld, Michel, Deutschland 12,5 28 95,24
4 Kieft, Jacques, Irland 12,5 28 90,59
5 Ikeda, Eiji, Japan 12 25 92,35
6 Hertzsch, Tino, Schweiz 11,5 28 87,44
7 Zizek, Domen, Slowenien 10 24 78,44
8 Arnold, Ralf, Deutschland 9,5 24 80,53
9 Martin, Daniel, Spanien 9 26 80,51
10 Smejkal, Ladislav, Tschech. Republik 9 25 80,88
11 Fox, Tanya, England 9 23 80,55
12 Kriselj, Tomaz, Slowenien 8,5 23 80,06
13 Walther, Andrea, Österreich 8,5 22 74,14
14 Beckwith, Ashley, Schottland 8 23 75,05
15 Tetrault, Charles, Kanada 7,5 23 80,10
16 Cinadom, Arno, Italien 7,5 19 67,47
17 Coronada, Daniel, Spanien 7 24 82,27
18 Greenwald, Mark, USA 7 22 74,50
19 Mouranchon, Constant, Frankreich 7 22 73,50
20 DeKoning, Claudia, Belgien 7 20 73,14
21 Etenkowski, Bartlomiej, Polen 7 20 61,93
22 Gander, Patrick, Schweiz 7 19 64,40
23 Hilty, Brant, USA 7 18 64,49
24 van der Velde, Gerco, Niederlande 6,5 23 71,26
25 Dolezal, Martin, Tschech. Republik 6,5 20 70,98
26 Calinescu, Laura, Rumänien 6,5 20 66,13
27 Nagai, Yuma, Japan 6 21 68,37
28 Boelen, Yves, Belgien 5,5 21 65,57
29 Irimie, Alexandru, Rumänien 5,5 20 63,92
30 Brylka, Michal, Polen 5,5 17 57,34
31 Garrity, Sean, Kanada 5 18 56,97
32 Lasson, Cédric, Frankreich 3 13 47,02

Die besten acht Spieler qualifizierten sich für das Halbfinale am Sonntag. Diesmal hat es Ralf Arnold ganz knapp geschafft diese Hürde zu nehmen.

Ich war sehr gespannt, welche Teilnehmer es ins Finale schaffen würden. Nach diesem Tag wechselte ich meine Meinung über die Favoriten. Mein Tipp war nun entweder Hans Baert aus den Niederlanden oder Michel Hirschfeld aus Deutschland. Wie bekannt sein dürfte habe ich mich da getäuscht.
 

Am Sonntag begann das Halbfinale mit einer leichten Verspätung - ein klemmendes Schliessfach hinderte einen der Teilnehmer pünktlich zu erscheinen.

Um 11.00 Uhr spielten aber beide Tische. An Tisch 1 spielten die Spieler, die die Plätze 1-4 belegten. Hier zeigte, dass mein Tipp vom Vortag seine Berechtigung hatte, denn Hans Baert aus den Niederlanden gewann sein viertes Spiel in Folge. Jacques Kieft aus Irland änderte in diesem Spiel nicht nur meine, sondern auch die Einstellung aller anderen Zuschauer, zum Catan Basisspiel. Er holte mit nur zwei Siedlungen insgesamt 8 Siegpunkte und sicherte sich so zusammen mit Michel Hirschfeld (ebenfalls 8 Punkte) den Einzug ins Finale. Er hatte seine gesamte Taktik auf die Ereigniskarten ausgelegt und so die größte Rittermacht und drei Siegpunkte gezogen. Nun sicherte er sich noch die längste Handelstrasse und schon hatte er neun Siegpunkte beisammen.

Im anderen Spiel sicherte sich Ralf Arnold einen sicheren Sieg. Diese Situation führte aber aufgrund des bereits erheblichen Rückstandes von Ralf Arnold auf alle Spieler an Tisch 1, dass Ralf Arnold trotz des Sieges ein halber Punkt auf Jacques Kieft fehlen sollte.

Daher glich das Finalspiel in seiner Zusammensetzung (Niederlande, Deutschland, Italien und Irland) dem Halbfinale an Tisch 1.

Das Ergebnis nach dem Halbfinale:
Platz Name PP-Summe SP-Summe Quot.-Summe
1 Baert, Hans, Niederlande 20 40 131,33
2 Rauch, Armin, Italien 16 37 115,02
3 Hirschfeld, Michel, Deutschland 15 36 119,48
4 Kieft, Jacques, Irland 15 36 114,83
5 Arnold, Ralf, Deutschland 14,5 34 116,25
6 Ikeda, Eiji, Japan 14 31 113,78
7 Hertzsch, Tino, Schweiz 13,5 34 108,87
8 Zizek, Domen, Slowenien 12 30 99,87
Der erfolgreichste nicht-europäische Spieler wurde Eiji Ikeda aus Japan, der nach dem Halbfinalspiel von Presse umlagert wurde.

Was folgte war ein sehr spannendes Finale. Im Spielverlauf hatten alle vier Spieler lange eine Chance auf den Sieg. Alle vier Spieler handelten hart, denn hier ging es nur um den Sieg. Der Sieger dieses Spieles würde schließlich der erste Weltmeister im Siedler von Catan sein.

Die Entscheidung brachte in diesem Spiel wieder die Taktik von Jacques Kieft auf Entwicklungskarten zu setzen. Er zog insgesamt 3 Siegpunkte und wurde so zum ersten Siedler von Catan Weltmeister.

Das Ergebnis des Finals der ersten Siedler von Catan-WM:
Platz Name Ort
1 Jacques Kieft Galway, Irland
2 Michel Hirschfeld Freiberg, Deutschland
3 Hans Baert Den Haag, Niederlande
4 Armin Rauch Mals, Italien
Jacques Kieft wurde nach seinem Sieg von Presse umlagert, viele Fotos wurden von ihm geschossen, er gab Interviews für Zeitschriften und fürs Radio, er musste sogar zahlreiche Autogramme geben. Das dieser Titel für Spieler eine wirkliche Bedeutung hat, merkte man auch daran, dass das erste, was Jacques nach dem Sieg tat, eine SMS in die Heimat zu senden, welche er mit zitternden Händen schrieb.

Die Siegerehrung wurde von Klaus Teuber, Will Niebling (Mayfair), Yoshiki Okamoto und Ray Nakazato (Capcom), Peter Janshoff und mir (Michael Bartusch-Lenzen) vom Spielezentrum Herne durchgeführt. Auch das Interesse an dieser Siegerehrung war sehr gross, zum Teil standen die vier Teilnehmer in einem Blitzlichgewitter. Dies war ein würdiger Abschluss für eine rundum gelungene Veranstaltung, die bei mir Vorfreude auf die WM 2003 weckt.

Jaqcues Kieft hat bereits sein Interesse bekundet, bei der nächsten Weltmeisterschaft seinen Titel zu verteidigen. Ich persönlich freue mich darauf, diesen äußerst sympathischen Weltmeister auch bei der zweiten Weltmeisterschaft begrüssen zu dürfen.

Michael Bartusch-Lenzen (Spielezentrum Herne)

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