Dieses mal ist alles etwas anders, das
wussten wir schon, als meine Frau und ich am Freitag anreisten, denn der
Veranstaltungsort der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft, das Kulturzentrum,
wurde unmittelbar nach dem letztjährigen Spielewahnsinn einer großen
Renovierungsmaßnahme unterzogen. Meine Hoffnung war, dass dabei auch
die klimatischen Verhältnisse im Turniersaal eine Verbesserung erfahren
würden, denn in der Vergangenheit gab es dort nicht nur erhitzte Gemüter
und heiße Köpfe der Turnierteilnehmer, sondern auch sonst wurde
es ziemlich warm. Spätestens nach dem dritten Spiel war die Luft zum
Schneiden und von dem, was man gemeinhin so als Geruchsbelästigung
bezeichnet, nicht mehr weit entfernt.
Der erste Eindruck, des großzügig
umgestalteten Eingangsbereichs war schon mal vielversprechend, auch im
Inneren sah die neu gestaltete Deckenbeleuchtung wirklich gut aus. Was
für eine Enttäuschung, als wir dann erfuhren, dass die Turnierfläche
für die 36 Tische der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft nicht mehr
ausreichend war und wir am Samstag im Archäologischen Museum würden
spielen müssen.
Der Samstag lief insofern gut an, als sich
die Mannschaften zügig anmeldeten und daher die Erfassung der Mannschaftsänderungen
rechtzeitig beginnen konnte. Der Turniersaal war großzügig bemessen,
mehr als nur ausreichend hoch und verfügte über eine auf den
ersten Blick erkennbare, groß dimensionierte Klimaanlage. Von der
nötigen Straßenüberquerung abgesehen also optimale räumliche
Verhältnisse.
Die Mannschaftsänderungen waren eingegeben
und wir hätten rechtzeitig beginnen können die Turnierpläne
für die Spieler zu drucken. Doch dann der Schock! Mein Mitschiedsrichter
Carsten teilte mit, das Turnierprogramm lässt sich nicht vom Vorausscheidungsmodus
(mit bis zu 20 Mannschaften) auf DM-Modus (mit 36 Mannschaften) umschalten.
Die Passworteingabe meldete keinen Fehler, aber das Programm weigerte sich
standhaft den Turnierplan für 36 Mannschaften aufzubauen. Nur keine
Panik! Noch war ausreichend Zeit! Wir versuchten ein Alternativpasswort
zu erhalten, eine andere Kopie des Turnierprogramms zu verwenden, den Programmierer
zu erreichen, schließlich einen zweiten Laptop zu beschaffen. Die
Zeit rann davon! Längst hätte das Turnier anfangen sollen. Die
Teilnehmer wurden darüber informiert, dass sie nochmals den Spielewahnsinn
aufsuchen können und dort abgerufen werden. Das Turnier musste stattfinden!
Es boten sich sogar zwei Teilnehmer an einen Ersatzturnierplan aufzustellen,
das Angebot von Thomas Winheller nahm ich dann auch an. Nochmals danke
für die Unterstützung. Während Carsten alles versuchte,
das bisher immer reibungslos funktionierende Turnierprogramm zum Laufen
zu bekommen, bauten wir in Excel einen Ersatzturnierplan zusammen. Inzwischen
war es fast eine Stunde nach geplantem Turnierbeginn! Carsten und ich entschlossen
uns den Alternativplan zu spielen, da es noch keine Anzeichen gab, das
Turnierprogramm zum Laufen zu bekommen und auch die Formatwandlung der
Teilnehmerdaten für eine ältere Turnierprogrammversion misslang.
Schnell die Turnierteilnehmer vom Spielewahnsinn per Durchsage zurückgerufen,
provisorische Turnierpläne ausgehängt und gebeten die Plätze
einzunehmen. Natürlich wussten einige Spieler ihre Spielernummer nicht,
was dann aber innerhalb den Mannschaften neu geregelt werden sollte. Trotz
allem fanden aber alle ohne größere Probleme zu Ihren Plätzen
und das erste Spiel, „Fierenze“ (Pegasus) konnte nach Auslosung einer für
alle Tische gültigen Startaufstellung mit etwa eineinhalb Stunden
Verspätung beginnen. Während dieser Partie mussten nun die provisorischen
Tischzettel gestaltet und vor allem die Auswerteformeln dem Excel bekannt
gemacht werden. Der Turnierplan war ja nicht einmal die halbe Miete. Glücklicherweise
gab es keine Fragen, so dass wir damit gut vorankamen.
Für die Teilnehmer war dann der übliche
Imbiss angesagt, der für das Team des Spielezentrums eine extreme
Herausforderung darstellte, denn es musste ja alles vom Kulturzentrum ins
Archäologische Museum transportiert werden. Das schnelle Nachlegen
der Wurstplatten etc., wie sonst üblich, war damit schlicht unmöglich.
Das Team hat hier alles gegeben, um trotz der zusätzlichen Wegezeiten
die Versorgung sicherzustellen. Ich selbst habe vom Imbiss leider nichts
mitbekommen, da zum einen die Auswertung noch dauerte und mit nur ganz
kurzer Pause das zweite Spiel, „Pergamon“ (eggert), begonnen werden sollte.
Die Teilnehmer waren mit unserem provisorischen Turnierplan inzwischen
vertraut und fanden problemlos zu ihren Tischen. Die Auswertung war natürlich
ohne den Komfort des Turnierprogramms sehr viel mühsamer und zeitaufwändiger
als sonst, wurde aber von Carsten gut gemeistert und so konnte ich mich
danach den Formeln für die Gesamtauswertung widmen. Es stand ja auch
noch das Schreiben der Urkunden an. Aufgrund der nicht bekannten möglichen
Spielerreihenfolgewechsel innerhalb der Mannschaften war aber klar, dass
es keine individuellen Spielerurkunden sondern nur Mannschaftsurkunden
geben konnte. Damit reduzierte sich diese Schreiberei wenigstens von 144
Urkunden auf 36. Obwohl einigermaßen flott gespielt wurde, war absehbar,
dass wir wegen der Verzögerung es kaum mehr schaffen würden,
alle vier Spiele zu spielen. Diese Vermutung hatten natürlich auch
schon einige der Teilnehmer und haben zwischen den Spielen eigene Vorschläge
unterbreitet, wie sie sich den weiteren Fortgang vorstellten.
Nach der Partie „Pergamon“ war die Zeit
endgültig so weit fortgeschritten, dass wir „Blockers!“ und „Airlines
Europe“ (Abacus) nicht mehr rechtzeitig beenden hätten können.
Da die Teilnehmer schon genügend Unannehmlichkeiten über sich
ergehen lassen mussten, habe ich hier die Mehrheit entscheiden lassen.
Der Abstimmversuch per Handzeichen ergab keine optisch eindeutig erkennbare
Mehrheit für eines der Spiele, also etwas Gymnastik für die Teilnehmer
und ein Versuch das durch Aufstehen deutlich erkennbarer werden zu lassen.
Auch hier sah das ziemlich halbe-halbe aus. Also noch mal aufstehen und
durchzählen, „Blockers!“ zuerst, 1-2-3-…-72-73, bei 144 Teilnehmern
war das absolute Mehrheit. Auf das Zählen der Enthaltungen und Stimmen
für „Airlines Europe“ habe ich dann aus Zeitgründen verzichtet.
Schnell die Urkunden für die Mannschaften geschrieben (natürlich
noch ohne die Platzierung). Da „Blockers!“ ein schnelles Spiel ist und
der Wunsch nach einer vierten Partie an mich herangetragen worden war,
habe ich während der Partie auch noch abgefragt, wer für eine
zweite Partie „Blockers!“ wäre, auch wenn die Zeit schon knapp dafür
war. 52 waren für eine zweite Partie, 76 dagegen, 8 hatten sich enthalten
und weitere 8 habe ich nicht mehr erreicht, da sie ihre Partie schon beendet
hatten. Da 76 Gegenstimmen aber auch eine absolute Mehrheit sind, wurde
das Turnier nach dem dritten Spiel beendet. Leider gab es dann auch noch
am letzten Tisch eine Spielsituation, die mein Eingreifen erforderte und
sich etwas hinzog. Mit einer vierten Partie wären wir dann an das
absolute Zeitlimit gestoßen und somit war das Mehrheitsvotum gegen
eine vierte Partie durchaus hilfreich, um kurz nach 19 Uhr 00 tatsächlich
„terminplangerecht“ mit der Siegerehrung beginnen zu können.
Dieses mal ist alles anders, das wussten
wir schon bei der Anreise, denn uns war bekannt, dass es für mich
die letzte Deutsche Meisterschaft als Schiedsrichter und Turnierregelbearbeiter
sein würde, da es mir aus persönlichen Gründen nicht mehr
möglich sein würde, dieses Amt und auch die Spieleauswahl für
das Turnier fortzuführen. Und natürlich hätte ich mir gewünscht,
dass meine Zeit mit und für die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft
im Brettspiel mit einem reibungslosen Turnier zu Ende ginge. Es hat nicht
sollen sein! Eine gelungene Überraschung war dann aber die Überreichung
eines Meisterschaftspöppels an mich für die schöne Zusammenarbeit
die letzten ungefähr 15 Jahre. Nochmals „Danke!“ dafür. Die Siegerehrung
selbst lief dann wieder in den gewohnten Bahnen, außer dass wir den
Preis für die besten Einzelspieler wegfallen lassen mussten, da wegen
der Panne mit dem Turnierprogramm und der möglichen Umverteilung der
Spieler innerhalb der Mannschaften diese in der Kürze der Zeit nicht
mehr zuzuordnen waren, Bei nur drei Partien sind drei Siege auch viel leichter
zu erreichen sind, als vier Siege bei vier Partien.
Mir bleibt dann nur nochmals allen Teilnehmern,
dem Team vom Spielezentrum und auch sonst allen Unterstützern, insbesondere
den Verlagen, die die Spiele immer wieder zur Verfügung gestellt haben,
für die schöne Zeit und Zusammenarbeit zu danken und allen für
die spielerische und auch sonstige Karriere alles Gute zu wünschen.
Euer Jo Weigand
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