2011
21. Mai, Kulturzentrum - Herne
Willi-Pohlmann-Platz 1

Das Finale 2011
Stand 30.09.11
Turnierbericht von 
Jo Weigand 
zum Finale 2011

Dieses mal ist alles etwas anders, das wussten wir schon, als meine Frau und ich am Freitag anreisten, denn der Veranstaltungsort der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft, das Kulturzentrum, wurde unmittelbar nach dem letztjährigen Spielewahnsinn einer großen Renovierungsmaßnahme unterzogen. Meine Hoffnung war, dass dabei auch die klimatischen Verhältnisse im Turniersaal eine Verbesserung erfahren würden, denn in der Vergangenheit gab es dort nicht nur erhitzte Gemüter und heiße Köpfe der Turnierteilnehmer, sondern auch sonst wurde es ziemlich warm. Spätestens nach dem dritten Spiel war die Luft zum Schneiden und von dem, was man gemeinhin so als Geruchsbelästigung bezeichnet, nicht mehr weit entfernt. 

Der erste Eindruck, des großzügig umgestalteten Eingangsbereichs war schon mal vielversprechend, auch im Inneren sah die neu gestaltete Deckenbeleuchtung wirklich gut aus. Was für eine Enttäuschung, als wir dann erfuhren, dass die Turnierfläche für die 36 Tische der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft nicht mehr ausreichend war und wir am Samstag im Archäologischen Museum würden spielen müssen.

Der Samstag lief insofern gut an, als sich die Mannschaften zügig anmeldeten und daher die Erfassung der Mannschaftsänderungen rechtzeitig beginnen konnte. Der Turniersaal war großzügig bemessen, mehr als nur ausreichend hoch und verfügte über eine auf den ersten Blick erkennbare, groß dimensionierte Klimaanlage. Von der nötigen Straßenüberquerung abgesehen also optimale räumliche Verhältnisse. 

Die Mannschaftsänderungen waren eingegeben und wir hätten rechtzeitig beginnen können die Turnierpläne für die Spieler zu drucken. Doch dann der Schock! Mein Mitschiedsrichter Carsten teilte mit, das Turnierprogramm lässt sich nicht vom Vorausscheidungsmodus (mit bis zu 20 Mannschaften) auf DM-Modus (mit 36 Mannschaften) umschalten. Die Passworteingabe meldete keinen Fehler, aber das Programm weigerte sich standhaft den Turnierplan für 36 Mannschaften aufzubauen. Nur keine Panik! Noch war ausreichend Zeit! Wir versuchten ein Alternativpasswort zu erhalten, eine andere Kopie des Turnierprogramms zu verwenden, den Programmierer zu erreichen, schließlich einen zweiten Laptop zu beschaffen. Die Zeit rann davon! Längst hätte das Turnier anfangen sollen. Die Teilnehmer wurden darüber informiert, dass sie nochmals den Spielewahnsinn aufsuchen können und dort abgerufen werden. Das Turnier musste stattfinden! Es boten sich sogar zwei Teilnehmer an einen Ersatzturnierplan aufzustellen, das Angebot von Thomas Winheller nahm ich dann auch an. Nochmals danke für die Unterstützung. Während Carsten alles versuchte, das bisher immer reibungslos funktionierende Turnierprogramm zum Laufen zu bekommen, bauten wir in Excel einen Ersatzturnierplan zusammen. Inzwischen war es fast eine Stunde nach geplantem Turnierbeginn! Carsten und ich entschlossen uns den Alternativplan zu spielen, da es noch keine Anzeichen gab, das Turnierprogramm zum Laufen zu bekommen und auch die Formatwandlung der Teilnehmerdaten für eine ältere Turnierprogrammversion misslang. Schnell die Turnierteilnehmer vom Spielewahnsinn per Durchsage zurückgerufen, provisorische Turnierpläne ausgehängt und gebeten die Plätze einzunehmen. Natürlich wussten einige Spieler ihre Spielernummer nicht, was dann aber innerhalb den Mannschaften neu geregelt werden sollte. Trotz allem fanden aber alle ohne größere Probleme zu Ihren Plätzen und das erste Spiel, „Fierenze“ (Pegasus) konnte nach Auslosung einer für alle Tische gültigen Startaufstellung mit etwa eineinhalb Stunden Verspätung beginnen. Während dieser Partie mussten nun die provisorischen Tischzettel gestaltet und vor allem die Auswerteformeln dem Excel bekannt gemacht werden. Der Turnierplan war ja nicht einmal die halbe Miete. Glücklicherweise gab es keine Fragen, so dass wir damit gut vorankamen.
Für die Teilnehmer war dann der übliche Imbiss angesagt, der für das Team des Spielezentrums eine extreme Herausforderung darstellte, denn es musste ja alles vom Kulturzentrum ins Archäologische Museum transportiert werden. Das schnelle Nachlegen der Wurstplatten etc., wie sonst üblich, war damit schlicht unmöglich. Das Team hat hier alles gegeben, um trotz der zusätzlichen Wegezeiten die Versorgung sicherzustellen. Ich selbst habe vom Imbiss leider nichts mitbekommen, da zum einen die Auswertung noch dauerte und mit nur ganz kurzer Pause das zweite Spiel, „Pergamon“ (eggert), begonnen werden sollte. Die Teilnehmer waren mit unserem provisorischen Turnierplan inzwischen vertraut und fanden problemlos zu ihren Tischen. Die Auswertung war natürlich ohne den Komfort des Turnierprogramms sehr viel mühsamer und zeitaufwändiger als sonst, wurde aber von Carsten gut gemeistert und so konnte ich mich danach den Formeln für die Gesamtauswertung widmen. Es stand ja auch noch das Schreiben der Urkunden an. Aufgrund der nicht bekannten möglichen Spielerreihenfolgewechsel innerhalb der Mannschaften war aber klar, dass es keine individuellen Spielerurkunden sondern nur Mannschaftsurkunden geben konnte. Damit reduzierte sich diese Schreiberei wenigstens von 144 Urkunden auf 36. Obwohl einigermaßen flott gespielt wurde, war absehbar, dass wir wegen der Verzögerung es kaum mehr schaffen würden, alle vier Spiele zu spielen. Diese Vermutung hatten natürlich auch schon einige der Teilnehmer und haben zwischen den Spielen eigene Vorschläge unterbreitet, wie sie sich den weiteren Fortgang vorstellten. 

Nach der Partie „Pergamon“ war die Zeit endgültig so weit fortgeschritten, dass wir „Blockers!“ und „Airlines Europe“ (Abacus) nicht mehr rechtzeitig beenden hätten können. Da die Teilnehmer schon genügend Unannehmlichkeiten über sich ergehen lassen mussten, habe ich hier die Mehrheit entscheiden lassen. Der Abstimmversuch per Handzeichen ergab keine optisch eindeutig erkennbare Mehrheit für eines der Spiele, also etwas Gymnastik für die Teilnehmer und ein Versuch das durch Aufstehen deutlich erkennbarer werden zu lassen. Auch hier sah das ziemlich halbe-halbe aus. Also noch mal aufstehen und durchzählen, „Blockers!“ zuerst, 1-2-3-…-72-73, bei 144 Teilnehmern war das absolute Mehrheit. Auf das Zählen der Enthaltungen und Stimmen für „Airlines Europe“ habe ich dann aus Zeitgründen verzichtet. Schnell die Urkunden für die Mannschaften geschrieben (natürlich noch ohne die Platzierung). Da „Blockers!“ ein schnelles Spiel ist und der Wunsch nach einer vierten Partie an mich herangetragen worden war, habe ich während der Partie auch noch abgefragt, wer für eine zweite Partie „Blockers!“ wäre, auch wenn die Zeit schon knapp dafür war. 52 waren für eine zweite Partie, 76 dagegen, 8 hatten sich enthalten und weitere 8 habe ich nicht mehr erreicht, da sie ihre Partie schon beendet hatten. Da 76 Gegenstimmen aber auch eine absolute Mehrheit sind, wurde das Turnier nach dem dritten Spiel beendet. Leider gab es dann auch noch am letzten Tisch eine Spielsituation, die mein Eingreifen erforderte und sich etwas hinzog. Mit einer vierten Partie wären wir dann an das absolute Zeitlimit gestoßen und somit war das Mehrheitsvotum gegen eine vierte Partie durchaus hilfreich, um kurz nach 19 Uhr 00 tatsächlich „terminplangerecht“ mit der Siegerehrung beginnen zu können.

Dieses mal ist alles anders, das wussten wir schon bei der Anreise, denn uns war bekannt, dass es für mich die letzte Deutsche Meisterschaft als Schiedsrichter und Turnierregelbearbeiter sein würde, da es mir aus persönlichen Gründen nicht mehr möglich sein würde, dieses Amt und auch die Spieleauswahl für das Turnier fortzuführen. Und natürlich hätte ich mir gewünscht, dass meine Zeit mit und für die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Brettspiel mit einem reibungslosen Turnier zu Ende ginge. Es hat nicht sollen sein! Eine gelungene Überraschung war dann aber die Überreichung eines Meisterschaftspöppels an mich für die schöne Zusammenarbeit die letzten ungefähr 15 Jahre. Nochmals „Danke!“ dafür. Die Siegerehrung selbst lief dann wieder in den gewohnten Bahnen, außer dass wir den Preis für die besten Einzelspieler wegfallen lassen mussten, da wegen der Panne mit dem Turnierprogramm und der möglichen Umverteilung der Spieler innerhalb der Mannschaften diese in der Kürze der Zeit nicht mehr zuzuordnen waren, Bei nur drei Partien sind drei Siege auch viel leichter zu erreichen sind, als vier Siege bei vier Partien.

Mir bleibt dann nur nochmals allen Teilnehmern, dem Team vom Spielezentrum und auch sonst allen Unterstützern, insbesondere den Verlagen, die die Spiele immer wieder zur Verfügung gestellt haben, für die schöne Zeit und Zusammenarbeit zu danken und allen für die spielerische und auch sonstige Karriere alles Gute zu wünschen. 

Euer Jo Weigand

 
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