| verließ Herne - ja, der verließ
sogar den uns bekannten Planeten Erde. Für 48 Stunden verwandelte
sich das Innere des Hauses in einen Mischmasch aus den unterschiedlichsten
Welten, den wundersamsten Regionen und den fantastischsten Geschöpfen.
Für 48 Stunden gab es keine Einschränkungen und keine Mauern
wie in der "wirklichen Welt" - es gab nur mysteriöse Errungenschaften
und magische Urgewalten. Die stärkste Urgewalt an diesem Wochenende
war jedoch ganz klar die Fantasie!
Zum 23. Mal hatte die Arbeitsgemeinschaft
"Morpheus" der Gilde der Fantasy Rollenspieler (GFR) und des Vereins "Herner
Burg" Rollenspieler aus der ganzen Republik nach Herne eingeladen. Es war
einmal mehr Zeit für den "Morpheus"- Event: 48 Stunden non-stop entschwanden
Freitag bis Sonntag Rollenspieler in
Fantasiewelten, wie die von "Audakia"
- welche in weiten Teilen dem weltlichen Mittelalter entspricht, bei der
jedoch das Zusammenspiel von Magie und Technik den Unterschied zu der uns
bekannten Vergangenheit ausmacht.
Scheinen diese Parallelwelten voll von
Geheimnissen zu stecken mit ihrer grünen Schönheit und mit ihren
weiten Wäldern, erscheint dagegen das Haus an der Jean-Vogel-Straße
regelrecht trostlos. Doch ist dies ein Eindruck, der nicht ohne Weiteres
so stehen bleiben darf: Das Spielezentrum war am Wochenende voll mit
Spielbegeisterten. Auf drei Stockwerken
wurde von Freitag- bis Sonntagabend durchgespielt. "Wir haben wirklich
Spieler hier sitzen, die das ganze Wochenende wach geblieben sind", so
Jörg Janinhoff, Leiter der AG "Morpheus". Eben das sei auch der besondere
Reiz, schildert Mitveranstalter Karsten Höger von der
Herner Burg: "In der Nacht arbeitet auch
unsere Fantasie anders und oft entsteht eine ganz tolle Atmosphäre."
Im ersten Moment ist diese Atmosphäre
für einen außenstehenden Nichtspieler schwer zu erfassen. Scheint
es eher so, als säßen in den verschiedenen Räumlichkeiten
16- bis 50-Jährige um die Tische herum und unterhalten sich über
nicht existente Abenteuer. Hört man aber einigen der rund 350 Besucher
einmal genauer zu und lässt man sich
einmal mit in den Bann einer dieser Geschichten ziehen, stellt man fest,
dass viel mehr hinter einem Rollenspieler steckt, als nur der picklige
Stubenhocker, der sich in seine Scheinwelt flüchtet. Zwar entschwinden
die "Abenteuersuchenden" in eine andere Welt, von einer "Flucht"
kann hier aber nicht die Rede sein. Dies
allein beweisen schon die minutiös ausgearbeiteten Charaktere. So
wird der Bankangestellte kurzerhand zum Meisterdieb und der Kaufmann zum
schrecklichen Piraten, wie der Spielleiter am Tisch "American Reign", einem
neuen Rollenspiel aus den USA. Der Spielleiter heißt im richtigen
Leben Kamillo Fritzek und ist Kaufmann aus Wuppertal. In dem amerikanischen
Spiel spielt er einen finsteren Piraten. "Von Flucht kann keine Rede sein.
Oder flüchtet sich der Jogger auch in eine andere Welt, wenn er beim
Laufen Musik hört", fragt Fritzek selbstbewusst. Und er stellt klar:
"Bei diesen Rollenspielen
handelt es sich um ein Hobby wie jedes
andere auch." Doch einen Unterschied gibt es: Rollenspieler sind unglaublich
kreativ im Ausarbeiten ihrer Charaktere und Welten. Außerdem verfolgt
ein Jeder am Tisch den gleichen ausgedachten Handlungsstrang - und das
nicht etwa vor irgendeinem Bildschirm, sondern ganz allein
in der hier unendlich scheinenden Fantasie. |